Testosteron bei Frauen - Der unterschätzte Faktor in den Wechseljahren

Wenn du "Testosteron" hörst, denkst du wahrscheinlich an Männer. Muskeln. Bartwuchs. Tiefe Stimme.

Aber hier die Überraschung: Auch Frauen produzieren Testosteron. Und sie brauchen es.

Nicht so viel wie Männer – aber genug. Denn ein Mangel hat massive Auswirkungen. Auf deine Energie. Deine Libido. Deine Muskeln. Deine Stimmung. Und kaum eine Ärztin spricht darüber.

Lass uns das ändern.

Warum auch Frauen Testosteron brauchen

Testosteron gilt als "männliches" Hormon – aber das ist irreführend. Frauen produzieren es ebenfalls, und zwar aus drei Quellen:

  • 25 % in den Eierstöcken

  • 25 % in den Nebennieren

  • 50 % durch Umwandlung aus anderen Hormonen (DHEA, Androstendion)

Frauen haben etwa 10–15 % der Testosteronmenge von Männern. Klingt wenig – reicht aber, um entscheidende Funktionen zu erfüllen.

Was Testosteron bei Frauen konkret macht:

  • Sexuelle Funktion & Libido – Testosteron ist der Haupttreiber für sexuelles Verlangen

  • Energie & Vitalität – es wirkt gegen Müdigkeit und Antriebslosigkeit

  • Muskelmasse & Kraft – es schützt vor Muskelverlust

  • Knochendichte – niedrige Werte erhöhen das Osteoporose-Risiko

  • Kognitive Funktion – Gedächtnis, Konzentration, mentale Klarheit

  • Stimmung & Wohlbefinden – es stärkt Selbstvertrauen und innere Stabilität

  • Stoffwechsel – besonders beim Abbau von viszeralem Bauchfett

Was passiert in den Wechseljahren?

Testosteron sinkt bei Frauen ab dem 30. Lebensjahr kontinuierlich – etwa 1–2 % pro Jahr. Mit 50 haben viele Frauen nur noch die Hälfte des Testosterons ihrer 20er.

Aber: Der Rückgang ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Frauen haben mit 55 noch gute Werte. Andere haben schon mit 40 einen Mangel.

Warum sinkt Testosteron?

  • Natürlicher Alterungsprozess – Eierstöcke und Nebennieren produzieren weniger

  • Menopause – wenn die Eierstöcke aufhören zu arbeiten, fällt ein Viertel der Testosteronproduktion weg

  • Operationen – Entfernung der Eierstöcke führt zu einem sofortigen, drastischen Abfall

  • Die Pille – unterdrückt Testosteron, manchmal noch lange nach dem Absetzen

  • Chronischer Stress – erhöht Cortisol, das die Testosteronproduktion direkt hemmt

Erkennst du dich wieder? Symptome eines Testosteronmangels

Das Tückische: Viele Symptome überschneiden sich mit "normalen" Wechseljahresbeschwerden. Oder werden als Depression, Burnout oder Schilddrüsenproblem fehlinterpretiert.

Die häufigsten Anzeichen:

Libidoverlust – nicht nur weniger Lust. Sondern: gar keine. Keine spontanen sexuellen Gedanken. Sex ist okay, wenn er passiert – aber du vermisst ihn nicht.

Chronische Erschöpfung – Müdigkeit, die nicht durch Schlaf besser wird. Du wachst müde auf. Bleibst müde. Gehst müde ins Bett.

Muskelverlust & Schwäche – du trainierst, baust aber keine Muskeln mehr auf. Alltägliche Dinge werden schwieriger.

Gewichtszunahme am Bauch – trotz gleicher Ernährung. Das viszerale Bauchfett, das gesundheitlich problematisch ist.

Brain Fog – vernebeltes Denken, Wortfindungsstörungen, Vergesslichkeit. Du gehst in einen Raum und weißt nicht mehr, warum.

Stimmungsprobleme – Reizbarkeit, Antriebslosigkeit, weniger Selbstvertrauen und Durchsetzungskraft.

Wie wird Testosteronmangel diagnostiziert?

Viele Ärztinnen testen Testosteron bei Frauen gar nicht, oder nur, wenn du explizit danach fragst. Das ist ein Problem.

Welche Blutwerte sind wichtig?

Gesamt-Testosteron – Normbereich bei Frauen: 0,1–0,7 ng/ml. Achtung: Der Bereich ist sehr breit. Eine Frau mit 0,2 ng/ml und eine mit 0,6 ng/ml sind beide "normal" – aber die eine hat dreimal so viel.

Freies Testosteron – das biologisch aktive Testosteron. Nur 1–2 % des Gesamt-Testosterons ist frei. Das ist der bessere Marker.

SHBG – bindet Testosteron und macht es inaktiv. Hohe SHBG-Werte bedeuten: weniger freies Testosteron, auch wenn die Gesamtwerte normal sind.

DHEA-S – Vorläufer von Testosteron. Wenn DHEA niedrig ist, kann auch Testosteron niedrig sein.

Wichtiger als der Normbereich: deine Symptome. Wenn du alle Anzeichen eines Testosteronmangels zeigst und dein Wert im unteren Normbereich liegt, kann eine Therapie trotzdem sinnvoll sein.

Wann ist eine Testosteron-Therapie sinnvoll?

Testosteron-Therapie für Frauen ist in Deutschland noch Neuland. Es gibt kein offiziell für Frauen zugelassenes Präparat – alles läuft "off-label". Das bedeutet: Ärztinnen verschreiben Präparate, die für Männer zugelassen sind, in viel niedrigerer Dosis.

Klare Indikation:

  • Nachweislich niedriges freies Testosteron

  • Eindeutige Symptome – besonders Libidoverlust und chronische Erschöpfung

  • Andere Ursachen ausgeschlossen (Schilddrüse, Depression, Eisenmangel, B12, Schlafapnoe)

  • Besonders nach Entfernung der Eierstöcke oder vorzeitiger Menopause

Welche Präparate gibt es?

Testosteron-Gel – täglich auf die Haut aufgetragen. Einfach, flexibel dosierbar.

Testosteron-Creme – individuell von Apotheken hergestellt. Präzise Dosierung, oft vaginal angewendet.

Testosteron-Pellets – Implantate unter die Haut, geben über 3–6 Monate ab. In Deutschland nicht üblich.

Mögliche Nebenwirkungen – besonders bei zu hoher Dosis:

  • Akne

  • Vermehrte Körperbehaarung

  • Haarausfall am Kopf (bei genetischer Veranlagung)

  • Fettige Haut

  • Stimmungsschwankungen

Bei niedriger, physiologischer Dosis scheint das Risiko gering. Regelmäßige Kontrollen alle 3–6 Monate sind dennoch essentiell.

Hinweis: Die Inhalte dieses Artikels ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden wende dich bitte an eine Fachärztin deines Vertrauens.

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